Herbert Desel

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Im Ruhestand - daher nur privates: 


Zurzeit Berichte über Kulturaktivitäten ab 2023, die FreundInnen interessieren könnten

 

2025-01-11

Manfred Mann's Earth Band - Konzert in Berlin, im Theater am Potsdamer Platz


Wir saßen im 1. Rang - das hieß hier im 3. Stock (!) in der Mitte auf bequemen Plätzen mit guter Sicht auf die Bühne.


Das Konzert begann sehr pünktlich, um genau 20 Uhr. Dominiert wurde die Vorstellung vom Gitarristen Mick Rogers (78 J.!), der der Earth Band seit dem Anfang an (1971) - mit Unterbrechung von 1976-1984 - angehört. Seine E-Gitarre dominierte  die anderen Instrument stark, vielleicht etws zu stark. Robert Hart  (66) prägte mit eingängigem Gesang den Abend natürlich auch mit. Manfred Mann selbst (84!) versteckte sich den ganzen Abend unter einem breiten Hut hinter seinen Keyboards. Eines seiner Keyboards erzeugte ein etwas skrillen Wah-Wah-Sound-"Gerumpel" (wie die Märkische Oderzeitung in ihrer Rezension treffend schrieb), was aber stets ganz gut passte.


Drummer John Lingwood (73), Bassist Steve Kinch (69) sind ebenfalls im Rentenalter, der 2. Keyboarder schien auch nicht wirklich jünger zu sein. Auffällig aber zum Abend passend war, dass - soweit erkennbar - alle Instrumente und Mikrofone über Kabel angeschlossen waren, wie ich es nur von "ganz früher" kenne.


Die ersten 50 min spielten sie lange, mir unbekannte Stücke im typischen Earth-Band-Stil mit melodischen, langen Orgelharmonien. Wir konnten gut zuhören und uns einstimmen. Danach jedoch gab es fast nur noch Bekanntes: zuerst "Father of Day, Father of Night" (1974), natürlich "Blinded by the Light" (Bruce Springsteen, 1976), "Davy's on the Road again" (Robbie Robertson, 1978), "You Angel You" (1979) und "For You" (Springsteen, 1980), dann aber auch ganz Altes aus dem Vor-Earth-Band-Zeit: Pretty Flamingo (1966), Mighty Queen (1968) und mehr. Viele diese Stücke waren (zumindest gefühlt) deutlich verlängert und durchgängig rhythmisch ohne erkennbare Improvisionsphasen, mit Ausnahme eines kurzen Schlagzeugsolos.


Nach ca. 80 min trat die Band geschlossen an den Rand der Bühne und schien sich zu verabschieden, alle Mitglieder verließen danach auch tatsächlich die Bühne. Nach anhaltendem Applaus kehrte dann zunächst Mick Rogers für ein Solostück zurück. Ihm folgten dann auch die anderen Bandmitglieder ab dem zweiten Lied und das Konzert wurde für etwa 30 min fortgesetzt. Nach einem sehr ausgedehntem "Do Wah Diddy Diddy" (sogar noch älter, aus dem Jahr 1964) war es dann kurz vor 22 Uhr zuende. Im Alterdurchschnitt des Publikums bildeten wir als Jung-RentnerInnen etwa den Mittelwert.


Insgesamt war es ein interessanter Abend: die Helden der eigenen Jugend fünfzig Jahre später erstmals live zu erleben - zumal im seinerzeitigen Setting - , war berührend. Schöne Nostalgie, die durch den Umzug nach Berlin vor zehn Jahren heute mit vergleichsweise geringem Zeit- und Kostenaufwand möglich wird. Begeisterung, die der Besuch eines entsprechenden Konzertes damals sicher entzündet hätte, stellte sich bei uns jedoch nicht ein.


2023-03-02

Ausstellung Pardon - Teuflische Jahre


Caricatura-Museum, Museumsufer Frankfurt/Main


Die Ausstellung illustiert in vielen Details das gut 20-jährige Projekt "Pardon" von 1964 bis 1984. Die Zeitschrift hat das damalige politische Geschehen provokativ kommentiert und in Teilen sogar durch spektakuläre Aktionen mitgestaltet. Schwerpunkte der satirischen Berichterstattung waren konservative Politiker mit Nazi-Vergangenheit, kirchliche Würdenträger mit konservativen Einstellungen und Handlungen, Umweltthemen wie z.B. die Nutzung der Atomkraft (seinerzeit noch ganz neu) und die Bild-Zeitung als laufend attackierter politischer Gegner.

Erich Kästner und Loriot waren bekannte "Geburtshelfer" der Publikation, die zwischenzeitlich in bis zu 300.000 Exemplaren verkauft wurde und damals die erfolgreichste Satirezeitung Europas gewesen sein soll. Viele heute (noch) bekannte Karikaturisten waren an der Pardon beteiligt.

Neben vielen Plakaten (darunter viele Titelblätter) wurden wenige Cartoon vergrößert präsentiert. Daneben gab es ein große Zahl von Zeichnungen in Originalgröße, darunter auch viele Originalzeichnungen, die jedoch nich alle im Rahmen unseres Besuches angesehen und verdaut werden konnten. 

Eine Interessante, kurzweilige Ausstellung, allerdings durch die große Zahl kleiner Zeichnung recht anstrengend und zum Ende hin etwas ermüdend. Wünschenswert wäre noch gewesen, wenn bei Themen Bezüge zu aktuellen politischen Auseinandersetzung hergestellt worden wäre - Anknüpfungspunkte dafür gab es wahrlich genug.

Dass die Ausstellung sich auch im vierten Stock des Museum fortsetzte und dort Möglichkeiten zum Relaxen bei Lektüre alter Pardon-Hefte geboten wurden haben wir leider erst herausgefunden als wir das Haus bereits wieder verlassen hatten ...

 


2023-01-19

Surrealismus und Magie. Verzauberte Moderne 2023-01-19

Museum Barberini, Potsdam


Ich lernte, dass Surrealismus eine Bewegung vorwiegend der 1920er Jahre bezeichnet, durch eine Publikation (Manifest) begründet vom Schriftsteller André Breton in Paris. Schwerpunkt der Bewegung war eine Thematisierung von Traumerfahrungen und unbewussten Wahrnehmungen (Irrealität?) in verschiedenen Bereichen der Kunst, hier insbesondere in der Malerei. Im einer surrealen Weltsicht gibt es keine Trennung zwischen Realität und einer "Irrealität". Ein Einwirken des Irrealen auf die Realität erfolge laufend. Die Künstler(innen?) sahen sich als Vermittlungspersonen dieser Weltsicht mit besonderen Fähigkeiten zur Wahrnehmung des Nichtrealen ausgestattet, was sie zu kreativem Schaffen ohne Zwang rationaler Reflexion befähigte. Unerwartet fand ich das vollständige Fehlen von Bezügen zu Religionen, insbesondere zu christlicher Weltsicht, sowohl in der surrealen Weltsicht als auch in den Texten der Ausstellung, obwohl dies m. E. gedanklich nahegelegen hätte.


Methodisch auffällig war die prominente Verwendung von Symbolen aus dem Bereich okkulter/magischer und alchemistischer Praktiken sowie daneben auch von Begriffen aus der Theorie der seinerzeit offenbar sehr populären Psychoanalyse. Tarot-Karten wurde z. B. häufig thematisiert. Dies erschwerte mir den Zugang, da ich mit dieser Symbolik nicht vertraut bin. Es gab völlig gegenständliche, abstrakte und teilabstrakte Werke. Neben Malerei wurden auch Collage-Techniken verwendet.


Eingebettet ist die Praxis dieser Kunstrichtung in die politisch instabile Zwischenkriegszeit, in der ein Loslösen von der Vergangenheit, ihren Gewohnheiten und Regeln und eine Einbettung der realen Welt in etwas Größeres, mutmaßlich Wichtigeres und hoffentlich Besseres, nachvollziehbar als befreiend erlebt werden konnte. In einer - trotz großer aktueller Krisen - vergleichsweise politisch stabilen Gegenwart 2023 wirkt die radikale Abkehr von der realen Welt mit ihren aktuellen Gewohnheiten und Regeln auf mich befremdlich.


Im Ankündigungstext wurden namentlich erwähnt Giorgio de Chiricos, Max Ernst (Gemälde "Einkleidung der Braut", 1940), Leonora Carrington und Remedios Varo.
Eine beeindruckende - und bedrückende - Ausstellung.